Am 14. Oktober 2025 von 15:00 bis 16:00 Uhr fand eine weitere Ausgabe der Digitalen Kaffeerunde statt. Prof. Eva Maria Pollerus, Professorin für Cembalo, Generalbass und Ensemble sowie Leiterin des Instituts für Historische Interpretationspraxis, und Jiaqi Chen, E-Tutor des Instituts und Student der Hammerklavierklasse an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (HfMDK), stellten ihr Konzept zur Umsetzung hybrider Vorlesungen in der künstlerischen Lehre vor.
Die Hauptvorlesung des Instituts ist eine wöchentliche Ringvorlesung zur historischen Aufführungspraxis Alter Musik. Sie ist für rund 65 Masterstudierende verpflichtend und zugleich offen für weitere Interessierte, etwa aus Gesang oder anderen Studiengängen. Das Institut ist stark praxisorientiert: Das Üben am Instrument steht im Vordergrund, ebenso die Auseinandersetzung mit Quellen sowie die internationale fachliche Vernetzung. Entsprechend vielfältig sind Sprachen, Hintergründe und künstlerische Perspektiven der Beteiligten.
Die Vorlesung wird hybrid durchgeführt: Neben der Präsenzteilnahme ist ein Online-Zugang möglich; zudem werden die Beiträge aufgezeichnet, nachbearbeitet und über Moodle bereitgestellt. Gerade im künstlerischen Kontext stellt dies besondere Anforderungen. Musikunterricht per Videokonferenz bleibt technisch anspruchsvoll, zugleich eröffnet das Format neue Möglichkeiten. Internationale Gäste können ohne Reiseaufwand eingebunden, Platzprobleme umgangen und Studierende auf Konzertreisen in die Lehrveranstaltung integriert werden. Eine aktuelle Evaluation bestätigte die hohe Akzeptanz von Live-Teilnahme und Aufzeichnungen – das Format ist inzwischen fester Bestandteil des Lehrkonzepts.
Prof. Pollerus betonte die didaktischen Chancen digitaler Tools, verwies jedoch auch auf den erheblichen organisatorischen und zeitlichen Mehraufwand. Die hybride Durchführung erfordert eine sorgfältige Konzeption – aus der Perspektive der Vortragenden ebenso wie der Prüfenden. Das Niveau der Prüfungen sei durch die intensive inhaltliche Auseinandersetzung spürbar gestiegen. Zudem hob sie die zentrale Rolle des E-Tutors hervor, der über das HessenHub-Teilprojekt an der HfMDK finanziert wird und die technische sowie organisatorische Umsetzung maßgeblich begleitet.
Jiaqi Chen gab Einblicke in die technische Umsetzung und deren Weiterentwicklung. Die Herausforderungen reichen von Audio-Latenzen, wechselnden Lautstärken und der Integration von Dokumentenkameras bis hin zu unterschiedlichen Endgeräten internationaler Gäste. Auch die Aufzeichnung von Live-Musik bei hoher Bewegungsdynamik im Raum sowie datenschutzbezogene Fragen spielen an einer Hochschule für darstellende Kunst eine besondere Rolle: Nicht jede künstlerische Darbietung soll dauerhaft online verfügbar sein. Ein Serverausfall in der Vergangenheit sowie zeitintensive Nachbearbeitungen – teilweise mehrere Stunden pro Aufzeichnung – machten den Optimierungsbedarf deutlich.
Als Reaktion wurde ein neues, modular aufgebautes System entwickelt. Es folgt vier Prinzipien: minimale Störung des Unterrichts, Einsatz professioneller Geräte, modulares Design und bestmögliche Qualität. Standardisierte Setups, mehrere Mikrofone, zwei Kameras und vorprogrammierte Abläufe – etwa eine automatisch folgende Kamera – sollen künftig für mehr Stabilität und Effizienz sorgen.
In der Diskussion wurde deutlich, dass hybride Formate in der künstlerischen Lehre differenziert betrachtet werden müssen. Während Studierende hybride Angebote und Vorlesungsaufzeichnungen zunehmend erwarten, ist die Nachfrage nach professioneller, technisch ausgereifter Unterstützung je nach Veranstaltungstyp unterschiedlich ausgeprägt. Besonders sensibel bleibt der Umgang mit interaktiven und performativen Elementen.
Die Digitale Kaffeerunde zeigte eindrücklich, wie hybride Lehre auch im hochsensiblen Feld der künstlerischen Praxis realisiert werden kann – vorausgesetzt, didaktische Konzeption, technische Infrastruktur und institutionelle Rahmenbedingungen greifen eng ineinander.

