Am 11. November 2025 von 15:00 bis 16:00 Uhr fand eine weitere Ausgabe der Digitalen Kaffeerunde statt. Dr. Johanna Lea Korell, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Spanisch am Zentrum für fremdsprachliche und berufsfeldorientierte Kompetenzen (ZfbK) der Justus-Liebig-Universität Gießen, stellte einen interaktiven Online-Selbstlernkurs vor, der Studierende zu einem funktionalen und kritisch-reflexiven Umgang mit KI-Anwendungen im Fremdsprachenlernen befähigen soll. Das Projekt wurde im Rahmen der Linked-Learning-Förderlinie des HessenHub-Teilprojekts an der JLU Gießen gefördert.
Der Kurs befindet ist als modularer Selbstlernkurs auf ILIAS umgesetzt. Vier Module behandeln die Themen Technologie und Ethik der KI, Erwerb von KI-Kompetenzen, den Einsatz von KI-Tools im Fremdsprachenlernen sowie Zukunftsperspektiven des Fremdsprachenlernen in Zeiten generativer KI. Ein integriertes KI-Plugin mit vertrauter Chatoberfläche ermöglicht den Zugang zu Large Language Models direkt innerhalb der Lernumgebung. Ziel ist es, KI nicht nur zu thematisieren, sondern sie erfahrbar zu machen und systematisch zu reflektieren.
Grundlage der Konzeption war eine empirische Voraberhebung mit 120 Studierenden. Dabei zeigte sich ein heterogenes Nutzungsbild: KI wird bereits häufig für Übersetzungen und Schreibaufgaben eingesetzt, während lernbezogene Anwendungen bislang eine geringere Rolle spielen. Gleichzeitig kann sich ein Großteil der Befragten KI als Lernunterstützung vorstellen. Daraus leitete das Projekt den Bedarf an einer strukturierten KI-Kompetenzentwicklung im Fremdsprachenkontext ab.
Didaktisch setzt der Kurs auf angeleitete Erprobung und kritische Reflexion. Unter Nutzung des integrierten Plugins analysieren die Teilnehmenden beispielsweise KI-Übersetzungen im Vergleich zu eigenen Texten, vergleichen unterschiedliche Prompting-Strategien oder setzen sich mit Bias und ethischen Fragestellungen auseinander. Die Aufgabenstellungen sind bewusst ausführlich gestaltet, da der Kurs als eigenständige Selbstlerneinheit ohne begleitende Lehrperson konzipiert ist. Erste Erfahrungen zeigen, dass die intensive Auseinandersetzung teilweise auch zu einer bewussteren oder reduzierten KI-Nutzung führen kann. Der Kurs ist nicht sprachspezifisch angelegt und berücksichtigt unterschiedliche Sprachniveaus, um eine möglichst breite Einsetzbarkeit zu gewährleisten.
In der anschließenden Diskussion wurden insbesondere der Kompetenzfokus, Fragen des Datenschutzes sowie Möglichkeiten der Skalierung und einer OER-Veröffentlichung thematisiert. Zudem wurde deutlich, dass das Konzept auch für Lehrende und Lehramtsstudierende anschlussfähig ist.

