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00:00:00.000 --> 00:00:09.000
Mein Name ist Larissa Strub. Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wein- und Getränkewirtschaft der Hochschule Geisenheim

00:00:09.000 --> 00:00:18.000
und in dem Zusammenhang halte ich die Vorlesungen Kostenrechnungen, die ein Kernmodul für den Studiengang "Internationale Weinwirtschaft" ist

00:00:18.000 --> 00:00:26.000
und ein Profilmodul für die mehr produktionstechnisch ausgerichteten Studiengänge "Weinbau und Oenologie" und "Getränke-Technologie".

00:00:26.000 --> 00:00:30.000
Das sind im Schnitt jedes Jahr 50 bis 60 Studierende, die daran teilnehmen müssen.

00:00:30.000 --> 00:00:37.000
Potenziell kämen dann nochmal 130 bis 150 Studierende Weinbau- und Getränketechnologie dazu.

00:00:37.000 --> 00:00:42.000
Von denen machen das aber erfahrungsgemäß wirklich nur einstellige Prozentsätze. Ich habe selber in Geisenheim studiert.

00:00:42.000 --> 00:00:50.000
Das heißt, ich kenne tatsächlich diese Vorlesung aus meiner eigenen Studentenzeit und habe jetzt

00:00:50.000 --> 00:00:56.000
in diesem Semester, tatsächlich unabhängig von Corona, gemeinsam mit meiner Chefin beschlossen,

00:00:56.000 --> 00:01:05.000
die Vorlesungen in ein Blended-Learning Konzept zu überführen. Dass jetzt Corona gekommen ist, hat uns sozusagen nur nochmal in dieser Entscheidung bestärkt,

00:01:05.000 --> 00:01:08.000
weil es eigentlich in diesem Zusammenhang genau das richtige war.

00:01:08.000 --> 00:01:11.000
Wie ist die Lehre in nicht Corona-Zeiten aufgebaut?

00:01:11.000 --> 00:01:13.000
Ich habe jetzt dieses Jahr diese Vorlesungen zum vierten Mal gehalten

00:01:13.000 --> 00:01:18.000
und in den letzten drei Jahren war das eigentlich eine klassische Vorlesung.

00:01:18.000 --> 00:01:21.000
Präsenzunterricht, sehr viele frontale Anteile.

00:01:21.000 --> 00:01:29.000
Ich hatte auch immer wieder seminaristische Elemente drin, das waren in aller Regel Rechenübungen, die wir dann gemeinsam an der Tafel gelöst haben.

00:01:29.000 --> 00:01:38.000
Aber es war eigentlich eine ganz klassische frontale Vorlesungssituation. Also so weit von digitaler Lehre weg wie irgend möglich.

00:01:38.000 --> 00:01:42.000
Was waren die zentralen Herausforderungen bei der digitalen Umstellung?

00:01:42.000 --> 00:01:50.000
Wir haben uns relativ schnell für diese Lernbar-Module als Kern der digitalen Materialien entschieden.

00:01:50.000 --> 00:01:56.000
Allerdings habe ich in den letzten drei Jahren sehr viel Zeit darauf verwendet, meinen Foliensatz möglichst zu reduzieren.

00:01:56.000 --> 00:02:05.000
Also das einfach der textliche Anteil immer weiter zurückgefahren wurde, um das Lehren durch Text nicht zu stören.

00:02:05.000 --> 00:02:16.000
In einer Onlinesituation, in der die Studierenden einfach auch viel selber lernen oder sich selber beibringen sollen, braucht man den Text wieder.

00:02:16.000 --> 00:02:22.000
Also musste ich meine sehr reduzierten Folien aus den Vorlesungsveranstaltungen wieder überführen in einen Text.

00:02:22.000 --> 00:02:26.000
Wie findet die Lehre aktuell in Coronazeiten statt?

00:02:26.000 --> 00:02:36.000
Es war so, dass ich im Rahmen von "Ilias", das ist bei uns in Geisenheim das E-Learning-Tool, einen Lernplan erstellt habe.

00:02:36.000 --> 00:02:42.000
Sprich, genau so wie er sonst der Ablauf der Vorlesung gewesen wäre, habe ich auch zeitlich eingeteilt:

00:02:42.000 --> 00:02:46.000
Wann kommt welches Kapitel dran? Und dann gab es zu jedem Kapitel, je nachdem, wie lange das Kapitel war,

00:02:46.000 --> 00:02:59.000
eine unterschiedliche Anzahl an Lernbar-Modulen und darin waren aber immer wieder auch Übungsaufgaben eingebettet

00:02:59.000 --> 00:03:06.000
und Beispiele, Videos. Also ich habe versucht, möglichst auch mit Medienwechsel zu arbeiten.

00:03:06.000 --> 00:03:11.000
Wie fühlt es sich an, plötzlich das geplante Blended-Learning-Konzept digital zu transferieren?

00:03:11.000 --> 00:03:16.000
Eigentlich hat sich angefühlt wie die Konzeptionierung einer völlig neuen Lehrveranstaltung. Einfach weil dieses Element,

00:03:16.000 --> 00:03:23.000
dass ich auch mit meinen persönlichen Erfahrungen den Stoff vermittle,

00:03:23.000 --> 00:03:33.000
das fällt halt weg. Also größtenteils... Natürlich gibt's, wie gesagt, diese Präsenzveranstaltungen, aber die Vermittlung des Lernstoffes erfolgt schriftlich.

00:03:33.000 --> 00:03:38.000
Wie sind Sie praktisch bei der didaktischen Umsetzung vorgegangen?

00:03:38.000 --> 00:03:40.000
Ich habe letztlich meinen alten Foliensatz als Basis genommen.

00:03:40.000 --> 00:03:45.000
Es hat sich auch entsprechend am Inhalt der Lehrveranstaltungen nicht groß etwas verändert, vielleicht in Details,

00:03:45.000 --> 00:03:48.000
aber eigentlich ist der Inhalt ähnlich geblieben.

00:03:48.000 --> 00:03:52.000
Schon alleine aus dem Grund, weil ich ja auch immer aus dem letzten Jahr noch Leute habe, die schreiben müssen,

00:03:52.000 --> 00:03:57.000
und um denen das ein Stück weit zu vereinfachen, dass die sich nicht mit völlig neuen Sachverhalten auseinandersetzen müssen.

00:03:57.000 --> 00:04:10.000
Letztlich gab's dann eben zu jedem Kapitel in Ilias als Kern die Lernbar-Module und dann entsprechend ergänzendes Material: Artikel, Videos,

00:04:10.000 --> 00:04:12.000
die entsprechenden Kapitel in den Lehrbüchern.

00:04:12.000 --> 00:04:20.000
Welchen Vorteil ziehen Sie aus dem Einsatz der Lernbar-Module für die Studierenden und sich als Lehrende?

00:04:20.000 --> 00:04:27.000
Hauptpunkt: Lernen im eigenen Tempo. Das ist ein ganz, ganz großer Vorteil für die Studierenden, dass sie eben nicht darauf angewiesen sind.

00:04:27.000 --> 00:04:32.000
Und ich weiß, dass ich schnell spreche, und ich weiß, dass ich manchmal, vielleicht auch ein bisschen zu schnell unterrichte.

00:04:32.000 --> 00:04:38.000
Das versuche ich gegenzusteuern, das gelingt nicht immer. Ich bekomme aber auch nicht immer Feedback, dass es zu schnell war,

00:04:38.000 --> 00:04:45.000
Und: Ich finde es im Rahmen des Blended-Learning deutlich einfacher einen Medien-Mix einzusetzen.

00:04:45.000 --> 00:04:52.000
Ich tue mir wirklich schwer damit, irgendwie im Rahmen einer frontal Präsenzvorlesung ein Video abzuspielen.

00:04:52.000 --> 00:04:58.000
Wenn man aber ein Video in so einem Online-Setting verlinkt,

00:04:58.000 --> 00:05:03.000
da kann dann jeder entscheiden: Schaue ich mir das an oder lasse ich es eben bleiben?

00:05:03.000 --> 00:05:13.000
Gerade dieser Mix an Medien, um auch der Ermüdung vorzubeugen, das funktioniert einfach in einem Blended-Learning-Konzept wirklich sehr, sehr gut.

00:05:13.000 --> 00:05:17.000
Abschließende Gedanken und Worte

00:05:17.000 --> 00:05:21.000
Dadurch, dass wir tatsächlich letzte Woche schon die Klausur geschrieben haben oder die Studierenden die Klausur schreiben mussten,

00:05:21.000 --> 00:05:26.000
ich das Ganze auch schon korrigiert habe und feststellen musste oder feststellen durfte viel mehr,

00:05:26.000 --> 00:05:29.000
dass ich einen der besten Schnitte in den ganzen vier Jahren hatte

00:05:29.000 --> 00:05:37.000
und auch die Durchfallquote eher unterdurchschnittlich war, muss ich mir für mich jetzt feststellen, dass gerade für Grundlagenmodule

00:05:37.000 --> 00:05:45.000
oder für Module mit einem hohen Anteil an Grundlagenwissen, Blended-Learning wirklich sehr, sehr gut funktioniert.

00:05:45.000 --> 00:05:51.000
Hier geht es auch darum, das unabhängig von meiner Person ein gewisser Lehrinhalt vermittelt werden muss.

00:05:51.000 --> 00:05:56.000
Das Ganze wird natürlich individualisiert, auch durch meine eigenen Erfahrungen.

00:05:56.000 --> 00:05:59.000
Aber da gibt es ja gottseidank immer noch die Präsenzzeit,

00:05:59.000 --> 00:06:06.000
die ich wirklich nicht missen möchte, die dann eben zur Individualisierung genutzt werden kann.

00:06:06.000 --> 00:06:11.000
Und wie gesagt, ich finde, für Grundlagenveranstaltungen

00:06:11.000 --> 00:06:25.520
ist das mit dem Blended-Learning wirklich eine gute Sache, die ich gerne auch im nächsten Jahr weiter nutzen möchte.