﻿WEBVTT

00:00:03.290 --> 00:00:12.920
Mein Name ist Sandra Wenzel. Ich bin am Institut für Baubetrieb, am Fachbereich 13 Bau- und Umweltingenieurwissenschaften tätig.

00:00:12.920 --> 00:00:19.430
Ich betreue im Wesentlichen zwei Bachelor Module, also Veranstaltungen mit circa 200 Studierenden.

00:00:19.430 --> 00:00:24.980
Und im Rahmen der Module bin ich für den Übungsbetrieb verantwortlich.

00:00:24.980 --> 00:00:32.000
Im Sommersemester 2020 haben wir die Hörsaalübung das erste Mal als geflippte Online-Übung durchgeführt.

00:00:32.000 --> 00:00:39.150
Hierzu haben wir den Studierenden im Vorfeld das Übungsblatt und auch ein Handout über Moodle zur Verfügung gestellt.

00:00:39.150 --> 00:00:44.670
Gleichzeitig haben wir eine Moodlenachricht verfasst, in welcher wir die Studierenden gebeten haben,

00:00:44.670 --> 00:00:51.750
mithilfe der Inhalte aus der Vorlesung und des Handouts das Übungsblatt im Vorfeld zu bearbeiten.

00:00:51.750 --> 00:00:54.150
Die Studierenden hatten aber auch die Möglichkeit,

00:00:54.150 --> 00:01:02.040
uns E-Mails zu schreiben und dort ihre Fragen zu stellen oder auch über das Forum auf Moodle Fragen zu stellen.

00:01:02.040 --> 00:01:13.570
Im Rahmen der Übungen wollten wir dann eigentlich direkt mit den Studierenden die möglichen Lösungswege besprechen. "Was waren die Erkenntnisse aus dem Sommersemester 2020?"

00:01:13.570 --> 00:01:22.330
Während des Semesters haben wir eigentlich schon gemerkt, dass die Studierenden das Übungsblatt in der Regel sich im Vorfeld nicht angeschaut haben.

00:01:22.330 --> 00:01:28.540
Zum einen haben wir weder Fragen per E-Mail bekommen, noch wurden Fragen über das Forum gestellt.

00:01:28.540 --> 00:01:32.500
Und zum anderen hat man aber auch anhand der Fragen während der Übung gemerkt,

00:01:32.500 --> 00:01:38.860
dass die Studierenden sich weder das Übungsblatt noch das Handout im Vorfeld angeschaut haben.

00:01:38.860 --> 00:01:43.660
Das haben wir natürlich analysiert und haben dann auch überlegt, dass das mehrere Gründe haben kann.

00:01:43.660 --> 00:01:53.470
Zum einen ist diese geflippte Online Übung, die wir durchgeführt haben, aus einem Modul aus dem vierten Bachelorsemester mit rund 200 Studierenden.

00:01:53.470 --> 00:01:55.120
Und wir haben die Erfahrung gemacht,

00:01:55.120 --> 00:02:03.910
dass insbesondere in den großen Veranstaltungen im Bachelor die Studierenden sich eher ungern, sage ich mal, vorbereiten. Im Master,

00:02:03.910 --> 00:02:09.070
wenn die Veranstaltung kleiner werden, ist doch die Bereitschaft zur Vorbereitung etwas höher.

00:02:09.070 --> 00:02:16.090
Und den zweiten Grund, den wir uns noch überlegt hatten, war natürlich es war die erste Veranstaltung, die online durchgeführt wurde.

00:02:16.090 --> 00:02:23.110
Sowohl die Studierenden als auch wir als Dozierende mussten uns natürlich an die neuen Situation gewöhnen.

00:02:23.110 --> 00:02:27.640
Und als Ergebnis haben wir dann für uns entschieden,

00:02:27.640 --> 00:02:33.070
dass wir das Konzept doch nochmal fürs Wintersemester überarbeiten sollten und hatten überlegt,

00:02:33.070 --> 00:02:42.490
ob wir das mehr an die Präsenz Hörsaal Übung anpassen sollten.

00:02:42.490 --> 00:02:48.430
Zum Wintersemester 2020/2021 haben wir uns dazu entschlossen,

00:02:48.430 --> 00:02:55.480
dass wir den Studierenden doch wieder mehr Zeit während der Online Übung für die Bearbeitung des Übungsplatz geben wollen.

00:02:55.480 --> 00:03:01.780
So wie wir das auch früher in Präsenz gemacht haben, da wir doch gemerkt haben, dass die Bereitschaft, sich vorzubereiten,

00:03:01.780 --> 00:03:08.230
eher gering ist und damit die Inhalte auch wirklich vermittelt werden können, haben wir uns überlegt,

00:03:08.230 --> 00:03:13.630
dass wir während der Übung die Zeit den Studierenden zur Verfügung stellen wollen.

00:03:13.630 --> 00:03:17.710
Wir haben weiterhin aber auch das Übungsblatt circa eine Woche vorher über

00:03:17.710 --> 00:03:22.660
Moodle hochgeladen und die Studierenden bereits im Vorfeld darüber informiert,

00:03:22.660 --> 00:03:28.480
dass das Übungsblatt auf Moodle abrufbar ist und sie es sich auch gerne schon im Vorfeld anschauen können.

00:03:28.480 --> 00:03:34.330
Während der Online Übung haben wir dann eine kurze Theorie Wiederholung zu Beginn gemacht.

00:03:34.330 --> 00:03:39.580
Dort haben wir häufig Pingo verwendet, weil Pingo uns einfach die Möglichkeit bietet,

00:03:39.580 --> 00:03:46.120
gerade zu Beginn der Veranstaltung die Studierenden eher unterschwellig zu aktivieren

00:03:46.120 --> 00:03:52.150
und so doch die trockene Wiederholung der Theorie etwas aktiver zu gestalten.

00:03:52.150 --> 00:03:58.150
Im Anschluss daran haben wir in der Regel ein Beispiel vorgerechnet, um den Studierenden zu zeigen,

00:03:58.150 --> 00:04:02.890
wie man an das Problem herangehen würde und wie man es lösen kann.

00:04:02.890 --> 00:04:08.380
Und danach sollten die Studierenden eigenständig das Übungsblatt bearbeiten.

00:04:08.380 --> 00:04:18.100
Je nachdem, wie umfassend die Aufgabe war, durften die Studierenden entweder in Einzelarbeit die Aufgabe lösen oder wir haben die Möglichkeit gegeben,

00:04:18.100 --> 00:04:24.340
in Breakout Sessions die Übungen zu diskutieren bzw. die Aufgabe zu diskutieren.

00:04:24.340 --> 00:04:30.010
Sollten wir mehrere Breakout Sessions in einer Übung haben, haben wir auch immer wieder darauf geachtet,

00:04:30.010 --> 00:04:33.340
dass die Gruppen neu gemischt wurden, weil wir der Meinung sind,

00:04:33.340 --> 00:04:40.270
dass gerade in den großen Veranstaltungen mit knapp 130 Studierenden doch die Möglichkeit geboten werden muss,

00:04:40.270 --> 00:04:43.370
dass die Studierenden sich auch untereinander mal austauschen.

00:04:43.370 --> 00:04:52.360
Und wenn wir als Dozierenden nicht mit in die Breakout Sessions gehen, fühlen sich die Studierenden motiviert, auch aktiv daran teilzunehmen.

00:04:52.360 --> 00:04:54.400
Viele Studierenden haben auch angefangen,

00:04:54.400 --> 00:05:09.110
in den Breakout Sessions wirklich ihre Kamera anzuschalten und dort, wenn sie mit 4,5 Leuten zusammen sind auch aktiv den Übungs Teil zu diskutieren. "Was waren die zentralen Herausforderungen bei der digitalen Umstellung?"

00:05:09.110 --> 00:05:18.950
Die größte Herausforderung in der digitalen Lehre sehe ich darin, die Emotionen der Studierenden bzw. die Stimmung im digitalen Raum wahrzunehmen.

00:05:18.950 --> 00:05:27.440
In einem Hörsaal in der Präsenzübung kann man doch sehr gut erkennen oder auch wahrnehmen, wie die Studierenden drauf sind.

00:05:27.440 --> 00:05:31.820
Ich kann sehen, ob sie mir zuhören oder doch abgelenkt sind.

00:05:31.820 --> 00:05:35.240
Ich kann aber auch erkennen, ob ich zu schnell Dinge erkläre,

00:05:35.240 --> 00:05:41.690
ob ich Dinge zu komplex erkläre und die Studierenden einfach mit ihren Gedanken abweichen.

00:05:41.690 --> 00:05:47.390
Digital kann ich oft nicht die Reaktion  der Studierenden auf der anderen Seite erkennen.

00:05:47.390 --> 00:05:52.280
Ich weiß nicht, ob ich die Dinge zu schnell erkläre, ob ich die Dinge zu komplex erkläre.

00:05:52.280 --> 00:05:56.360
Dort habe ich bisher noch gar keine Lösung für gefunden.

00:05:56.360 --> 00:06:04.860
Der andere negative Punkt oder die andere Herausforderung im digitalen Bereich ist natürlich auch die Interaktion der Studierenden untereinander.

00:06:04.860 --> 00:06:10.880
In einem Hörsaal kann man immer wieder sagen: "Dreht euch nach links, dreht euch nach rechts.

00:06:10.880 --> 00:06:14.990
Unterhaltet euch mit eurem Sitznachbar." Das geht digital natürlich nicht.

00:06:14.990 --> 00:06:20.180
Dort haben wir angefangen, über Breakout Sessions die Interaktion unter den Studierenden zu fördern.

00:06:20.180 --> 00:06:25.220
Uns ist auch wichtig, dass die Studierenden andere Studierende kennenlernen.

00:06:25.220 --> 00:06:27.920
Und deshalb mischen wir die Gruppen auch immer wieder neu.

00:06:27.920 --> 00:06:34.040
Allerdings haben wir mittlerweile gemerkt, dass die Motivation zur Teilnahme eher rückläufig ist.

00:06:34.040 --> 00:06:36.950
Beispielsweise in der letzten Online-Übung, die ich gehalten habe,

00:06:36.950 --> 00:06:50.260
waren knapp 130 Studierende anwesend und nur 50 davon haben wirklich aktiv an den Breakout Sessions teilgenommen. "Woran werden Sie nach Corona festhalten?"

00:06:50.260 --> 00:06:56.230
Ich würde lieber wirklich wieder zurück in die Präsenz gehen. Also ich glaube, es ist sowohl...

00:06:56.230 --> 00:06:58.150
Es gibt unterschiedliche Formate.

00:06:58.150 --> 00:07:07.000
Ich denke, eine Vorlesung, wo es wirklich darum geht, Theorie zu vermitteln, ist glaub ich digital weiterhin durchaus möglich.

00:07:07.000 --> 00:07:12.400
Da muss sich der Student oder der Studierende selbst motivieren zuzuhören.

00:07:12.400 --> 00:07:22.210
Aber Übungen oder auch Sprechstunden, wo es wirklich darum geht, um den Austausch, denke ich, ist doch die Präsenz einfach die schönere Variante.

00:07:22.210 --> 00:07:28.720
Wir merken das immer wieder, auch in den Sprechstunden, dass die Studierenden auch mittlerweile gar nicht mehr ihre Kamera anschalten.

00:07:28.720 --> 00:07:37.420
Sie heißen "iPad, iPhone", man ist total anonym und man gibt sich auch wirklich Mühe, was zu erklären.

00:07:37.420 --> 00:07:41.200
Aber man sieht auf der anderen Seite gar nicht, ob die Erklärung überhaupt ankommt.

00:07:41.200 --> 00:07:45.340
Und das ist doch sehr, sehr schade, weil man hat ja auch wirklich die Möglichkeit,

00:07:45.340 --> 00:07:48.800
mit einem virtuellen Hintergrund auch den Background auszuschalten.

00:07:48.800 --> 00:07:57.070
Also man ist ja gar nicht gezwungen zu zeigen, wo man gerade sitzt, sondern ich kann mir einfach auch ne schwarze Wand hinter mir ziehen.

00:07:57.070 --> 00:08:04.510
Aber es ist doch einfach was anderes, wenn ich in ein Gesicht von jemandem schaue und die Reaktion wahrnehmen kann.

00:08:04.510 --> 00:08:08.200
Und wenn es nur ein Nicken ist oder ein ganz großes Entsetzen.

00:08:08.200 --> 00:08:09.070
Augen aufreissen.

00:08:09.070 --> 00:08:21.360
Oh mein Gott, ich hab's nicht verstanden, aber ich bekomme wenigstens eine Rückmeldung und das sehe ich halt digital sehr, sehr schwierig. "Wie war das Feedback der Studierenden?"

00:08:21.360 --> 00:08:25.230
Direktes Feedback zur Online-Übung haben wir bisher nicht erhalten.

00:08:25.230 --> 00:08:30.570
Im Sommersemester 2020 wurde nur die Vorlesung und nicht die Online Übung evaluiert.

00:08:30.570 --> 00:08:36.900
Es war sehr schade, aber das Feedback für die Online Vorlesung war durchaus durchweg sehr gut gewesen.

00:08:36.900 --> 00:08:41.940
Zur Online Übung haben wir vereinzeln von den Studierenden Rückmeldung bekommen und

00:08:41.940 --> 00:08:46.290
auch viele Studierende finden gerade das Format der Live Online Übung sehr gut,

00:08:46.290 --> 00:08:51.300
weil sie dort einfach die Möglichkeit haben, wirklich Fragen zu stellen.

00:08:51.300 --> 00:08:56.220
Und bisher waren eigentlich auch die Breakout Sessions immer sehr gut besucht und wurden auch gut bewertet,

00:08:56.220 --> 00:09:03.760
weil dort die Studierenden auch die Möglichkeit hatten, sich untereinander auszutauschen.

00:09:03.760 --> 00:09:13.810
Natürlich gab's auch vereinzelt Rückmeldungen dahingehend, dass es sich vonseiten der Studierenden gewünscht wird, die Online-Übung aufzuzeichnen.

00:09:13.810 --> 00:09:20.950
Hierzu kann ich jedoch nur sagen, dass wir auch im Nachgang die Lösungen und die Folien zur Online-Übung auf Moodle hochladen,

00:09:20.950 --> 00:09:23.500
so wie wir es auch in Präsenz gemacht haben.

00:09:23.500 --> 00:09:32.110
Und Ziel war es bei uns immer, dass das digitale Konzept doch so nah wie möglich an das Präsenz-Konzept angepasst ist.

00:09:32.110 --> 00:09:36.610
Auch dort werden nur die Lösungen und die Folien im Nachgang auf Moodle hochgeladen.

00:09:36.610 --> 00:09:43.810
Und wir sind eigentlich auch der Meinung, dass es ganz gut ist, wenn man eine gewisse Routine in seinem Studium hat.

00:09:43.810 --> 00:09:57.060
Es hat etwas Positives zu wissen, dass ich jeden Montag um 11:40 Uhr Vorlesung habe und ich so eine gewisse Routine einfach auch aufbauen kann. "Wie lautet ihr Fazit?"

00:09:57.060 --> 00:10:05.340
Ich kann zusammenfassend festhalten, dass es sich doch gelohnt hat, das Konzept nochmal zu überarbeiten,

00:10:05.340 --> 00:10:14.670
dass wir wirklich auch das Gefühl haben, dass die Studierenden die Zeit während der Übung wirklich auch nutzen und diese Zeit auch brauchen.

00:10:14.670 --> 00:10:21.330
Ich denke, wenn man den Studierenden mitteilt, sie sollen sich im Vorfeld die Übungen anschauen, ist es schwieriger,

00:10:21.330 --> 00:10:27.740
weil die Bereitschaft doch etwas geringer ist,  wie wenn wir in der Übung einfach eine Viertelstunde Pause machen.

00:10:27.740 --> 00:10:31.350
Natürlich kann ich nicht überprüfen, was die Studierenden in der Viertelstunde machen,

00:10:31.350 --> 00:10:36.300
aber immerhin haben sie ja die Möglichkeit, wirklich zu sagen: Ich möchte das Übungsblatt bearbeiten.

00:10:36.300 --> 00:10:40.680
Und jetzt habe ich die Zeit, mir für eine Viertelstunde dazu Gedanken zu machen.

00:10:40.680 --> 00:10:46.500
Und deshalb glaube ich, dass die Breakout Sessions und die Pausen, die wir in der Übung machen,

00:10:46.500 --> 00:10:52.140
für die Studierenden wirklich eine Bereicherung sind und es sie weiterbringt.

00:10:52.140 --> 00:10:53.490
Das Konzept geflippt war

00:10:53.490 --> 00:11:04.290
eine gute Idee. Ist, glaube ich auch gerade im Master, wenn die Studierenden motiviert sind, auch schon wirklich wissen, wie wie der Hase läuft

00:11:04.290 --> 00:11:07.560
an der Uni, glaube ich, können sie damit ganz gut umgehen.

00:11:07.560 --> 00:11:12.930
Im Bachelor viertes Semester haben wir die Erfahrung gemacht, dass es sie doch überfordert hat.

00:11:12.930 --> 00:11:18.330
Aber wie ich schon meinte, es kann natürlich auch daran liegen, dass es das erste Semester war, was wir digital durchgeführt haben.

00:11:18.330 --> 00:11:26.130
Auch da musste sich natürlich auch erst einmal jeder orientieren: Wie organisiere ich mich im digitalen Kontext?

00:11:26.130 --> 00:11:32.020
Jetzt sind wir schon im dritten Semester digital. Ich denke, jetzt  ist auch eine gewisse Routine vorhanden.

00:11:32.020 --> 00:11:37.780
Aber trotz dessen würde ich doch an dem aktuellen Konzept weiter arbeiten.

00:11:37.780 --> 00:11:41.050
Dieses Konzept auch nochmal weiter ausarbeiten.

00:11:41.050 --> 00:11:47.620
Aktuell finde ich es aber eigentlich schon sehr gut, weil wir zu Beginn eine Aktivierungsphase haben, die sehr unterschwellig ist,

00:11:47.620 --> 00:11:55.240
danach eine kurze Vorrechnungsphase  haben und zum Abschluss wirklich die Studierenden ungefähr eine Stunde,

00:11:55.240 --> 00:12:10.325
Dreiviertelstunde wirklich aktiv das Übungsblatt dort bearbeiten sollen, was ja auch der Charakter einer Übung sein sollte.