WEBVTT

1
00:00:02,000 --> 00:00:09,000
Mein Name ist Gerhard Thiel, ich bin Professor im Fachbereich Biologie und ich lehre die Anatomie der Pflanzen

2
00:00:09,000 --> 00:00:20,000
für Anfängerstudenten, und in höheren Semestern ist unser Fachgebiet die Biophysik. "Wie ist die Lehre in nicht Corona-Zeiten aufgebaut?"

3
00:00:20,000 --> 00:00:31,000
Es sind eigentlich zwei verschiedene, sagen wir einmal, Organisationsformen. Es ist einmal eine Großveranstaltung mit Erstsemesterstudenten, da sind über 170 Studenten drin.

4
00:00:31,000 --> 00:00:45,000
Die hören zweimal die Woche eine Vorlesung, haben danach in zwei Gruppen eine Übung, und sind dann im Labor und mikroskopieren, also sind wirklich händisch beschäftigt,

5
00:00:45,000 --> 00:00:53,000
Pflanzenquerschnitte zu machen, im Mikroskop sie sich anzuschauen und dann Zeichnungen anzufertigen.

6
00:00:53,000 --> 00:01:05,000
Die zweite Lehrform, das ist sowohl für das Wahlmodul im Bachelorstudium als auch das Masterstudium, das sind wirklich Kombinationen

7
00:01:05,000 --> 00:01:15,000
aus Vorlesungen, eine Woche intensiv Vorlesung mit Übungen nachmittags zu den Dingen, die wir in der Vorlesung besprochen habe.

8
00:01:15,000 --> 00:01:22,000
Und dann kommen richtige Laborpraktika, also nicht nur im Teaching-Labor, sondern im Labor von der Arbeitsgruppe

9
00:01:22,000 --> 00:01:33,000
an den Geräten, die wir auch für die Forschung benutzen. Da bearbeiten dann die Studenten größere oder kleinere Forschungsprojekte. "Was waren die zentralen Herausforderungen bei der digitalen Umstellung?"

10
00:01:33,000 --> 00:01:46,000
Also die zentrale Herausforderung war wirklich, dass wir das alles mit einer Vorwarnung von anderthalb Wochen machen mussten. Also als die ganze Krise anfing

11
00:01:46,000 --> 00:01:58,000
und die ersten Maßnahmen in Deutschland gegriffen haben, hatten wir genau anderthalb Wochen Zeit, um eine Modul – Modul heißt

12
00:01:58,000 --> 00:02:17,000
für Bachelorstudenten diese Kombination aus Vorlesung und Laborpraktikum – online zu gestalten. Das war dann relativ kurzfristig und haben wir gut gemeistert. "Wie findet die Lehre aktuell in Corona-Zeiten statt?"

13
00:02:17,000 --> 00:02:42,000
Also wir machen das, was wir vorher jetzt für das Bachelormodul schon ausprobiert haben, machen wir in der Form jetzt für das Mastermodul, was im September stattfinden wird, das sind dann sechs Wochen lang. Und wir mischen das aber damit, dass kleine Gruppen von Studenten für ein, zwei Tage in das Labor kommen können,

14
00:02:42,000 --> 00:02:55,000
und dann auch einmal wirklich etwas Praktisches machen. Das heißt, dass man das, was man jetzt in der Übung oder/ Wir machen kleine Videos zu den Experimenten. Das, was man also in den Videos sieht oder was man sich aus dem Internet zusammensucht

15
00:02:55,000 --> 00:03:00,000
oder aus den Büchern, dass man es wenigsten einmal gesehen hat und wenigstens auch einmal Hand angelegt hat.

16
00:03:00,000 --> 00:03:20,000
Also wir haben im Grunde genommen die Lehre digital und machen aber kleinere Einschübe, wo eine kleine Anzahl an Studenten auch wirklich einmal in das Labor kommt und das sehen. Das, was sie also vorher in vier Wochen jeden Tag im Labor gemacht hätten, das ist also jetzt stark reduziert,

17
00:03:20,000 --> 00:03:32,000
aber das ist eben jetzt so. Und ich denke, ein großer Nachteil/ Also es ist schon ein Nachteil,

18
00:03:32,000 --> 00:03:38,000
aber man kann das dadurch ausgleichen, dass eigentlich/ Sagen wir einmal, der intellektuelle Anteil ist eher das Auswerten von Daten

19
00:03:38,000 --> 00:03:47,000
nd das machen wir jetzt noch mehr, intensiver, als wir das vorher gemacht haben, weil jetzt einfach mehr Zeit dazu ist.

20
00:03:47,000 --> 00:04:04,000
Also das verschiebt sich ein bisschen mehr. Und ich denke, so ganz schlecht wird es nicht sein. "Wie ist das Feedback der Studierenden?" Also das Feedback mit den Bachelorstudenten war erst einmal sehr positiv.

21
00:04:04,000 --> 00:04:28,000
Und zwar waren die einfach froh, dass sie überhaupt etwas machen konnten, das war ja zu dem Zeitpunkt überhaupt gar nicht klar, ob sie überhaupt studieren können oder ob sie irgendetwas machen können, das war ja vor Ostern. Also wir haben ja unsere Modulslots, die sind nicht im Semester, sondern sind eigentlich in den Semesterferien, weil das etwas damit zu tun hat, dass wir sonst mit den Laborplätzen einfach ein bisschen kollidieren mit anderen Kollegen.

22
00:04:28,000 --> 00:04:37,000
Also wir schon bevor das Semester angefangen hat, waren wir schon daran mit diesem Modul. Und die Studenten waren erst einmal überhaupt sehr froh, dass sie das Semester nicht verloren haben.

23
00:04:37,000 --> 00:05:07,000
Und die Rückmeldungen waren sehr positiv. Und relativ viele der Studenten haben sich auch bei uns im Labor gemeldet und wollen gerne eine Bachelorarbeit machen. Das macht man nur, wenn der Stoff irgendwie interessant war und wenn man den persönlichen Umgang, auch wenn er jetzt nur digital war, irgendwie so gut fand, dass man denkt, dass man mit den Personen auch arbeiten kann.

24
00:05:07,000 --> 00:05:18,000
Weil wir, wie gesagt, angefangen haben, bevor das Ganze, der ganze Zoom-Tsunami losging, also wir haben uns noch relativ, sagen wir einmal, einfach beholfen, indem wir irgendwelche PowerPoint-Folien besprochen haben und dann verschickt haben.

25
00:05:18,000 --> 00:05:48,000
Also das war alles noch sehr rudimentär. Also wir haben noch relativ wenig direkten Kontakt gehabt mit den Studenten. Also die Kommunikation lief mehr über Internet, also über E-Mails als/ Also jetzt haben wir auch andere Techniken zur Hand, die wir auch beherrschen und wo wir jetzt auch mehr mit den Studenten interagieren können. Also das werden wir natürlich jetzt einbinden in die Veranstaltung, die nächste, die jetzt ansteht.

26
00:05:48,000 --> 00:05:59,000
"Wieso haben Sie sich für eine 'Open Book Klausur' entschieden?" Erst einmal hatten wir 22 Studenten über Skype interviewt.

27
00:05:59,000 --> 00:06:14,000
also eine mündliche Prüfung machen, das stand gar nicht zur Debatte. Aber die wirkliche/ sagen wir einmal, was mich bewogen hat, das so zu machen, ist, dass das eigentlich auch meine Form des Fragens an Studenten ist, es geht mr nicht um das Abfragen.

28
00:06:14,000 --> 00:06:30,000
Also jemand, der nur weiß, aber nicht versteht, was er gemacht hat, was er gelernt hat, und nicht in der Lage ist, nur von A nach B zu gehen, aber nicht über C, das ist auch nicht das, was wir von Studenten wissen wollen.

29
00:06:30,000 --> 00:06:43,000
Also von daher, sagen wir einmal, von der Mentalität her, Klausuren, hat sich das nicht wesentlich unterschieden zu dem, die wir auch vorher einfach im Hörsaal gemacht haben.

30
00:06:43,000 --> 00:06:49,000
"Wie kann man sich eine Open Book Klausur vorstellen?" Also die Struktur ist, die Studenten bekommen eine bestimmte Anzahl an Fragen und diese Fragen sind alle Transferfragen.

31
00:06:49,000 --> 00:06:55,000
Also irgendwie einmal schnell bei Wikipedia nachschauen,

32
00:06:55,000 --> 00:06:59,000
das kann helfen, einen auf die Sprünge zu bringen,

33
00:06:59,000 --> 00:07:15,000
aber es wird nicht die Frage beantworten. Man muss schon verstehen, was die Frage will und wie man sie beantwortet.

34
00:07:15,000 --> 00:07:28,000
Und so, das waren also jetzt, ich glaube, eine Anzahl an sieben, acht Fragen, in denen die Studierenden also auch einmal/ Ich meine, das kommt uns natürlich zugute in der Biophysik, dass man auch einmal etwas rechnen muss, wo nicht nur das Ergebnis zählt,

35
00:07:28,000 --> 00:07:47,000
sondern der Rechenweg. Und, was wir jetzt anders gemacht haben, oder was ich anders gemacht habe zu den normalen Klausuren im Kursraum ist, dass wir die so konzipiert haben,

36
00:07:47,000 --> 00:07:54,000
die hatten genau eine Stunde Zeit und mussten nach der Stunde das auch per E-Mail an uns zurückschicken. Das heißt, dien standen schon unter einem gewissen Zeitdruck,

37
00:07:54,000 --> 00:07:59,000
aber es war hinreichend Zeit, da alle Fragen zu lösen.

38
00:07:59,000 --> 00:08:06,000
Das heißt, wenn man sich jetzt erst einmal noch zehn Minuten damit beschäftigt, herumzustöbern und anzurufen und zu fragen,

39
00:08:06,000 --> 00:08:12,000
wie man das macht, dann verliert man dann einfach auch eben Zeit und hat man vielleicht eine Aufgabe besser gelöst, aber die anderen hat man dann nicht mehr gelöst.

40
00:08:12,000 --> 00:08:21,000
Also das ist auch so ein bisschen so ein Abwiegen zwischen,

41
00:08:21,000 --> 00:08:23,000
wie viel Zeit hat man zur Verfügung.

42
00:08:23,000 --> 00:08:35,000
Also ich denke, es war ausreichend Zeit, um die Fragen zu beantworten, aber schon etwa so, dass man keine Zeit verlieren durfte.

43
00:08:35,000 --> 00:08:41,000
"Was sind Gelingensbedingungen zur erfolgreichen Umsetzung von Open Book Klausuren von Seiten der Lehrenden?" Ich glaube, dass diejenigen, die die Klausur stellen, sie auch korrigieren müssen.

44
00:08:41,000 --> 00:08:50,000
Also man darf da jetzt nicht die Klausur schreiben lassen und ein Student hinterher oder ein Hiwi korrigiert die und schaut einfach nur,

45
00:08:50,000 --> 00:08:55,000
ob die richtige Antwort da ist, also ob das richtige Endergebnis da ist.

46
00:08:55,000 --> 00:09:07,000
Sondern es muss schon jemand darauf schauen, der die Frage auch sich ausgedacht hat und auch, sagen wir einmal, die Breite der Möglichkeiten sieht, etwas zu beantworten.

47
00:09:07,000 --> 00:09:28,000
Der auch einen richtigen Rechenweg mit einem falschen Ergebnis noch mit einer gewissen Punktzahl bedenkt. Ich glaube, dass die Klausur so sein muss, dass sie das widerspiegelt, was in der Vorlesung und in der Übung präsentiert worden ist.

48
00:09:28,000 --> 00:09:36,000
Also es geht jetzt nicht um die Ausnahme der Ausnahme der Ausnahme zu hören, sondern dass man die Botschaften,

49
00:09:36,000 --> 00:09:53,000
die man in den Vorlesungen verbreiten wollte, direkt oder indirekt auch in der Prüfung abfragt. Die Studenten haben unterschrieben, dass sie mit dieser Prüfungsform einverstanden sind

50
00:09:53,000 --> 00:09:57,000
und ich habe ihnen/ ich habe an ihre wissenschaftliche Ehrlichkeit appelliert,

51
00:09:57,000 --> 00:10:05,000
also ich habe in der USA studiert, da war das gang und gäbe, die Hälfte der einen der Klasse hat für die anderen die Fragen gestellt und umgekehrt.

52
00:10:05,000 --> 00:10:22,000
Da ist keiner auf die Idee gekommen, dem Nachbarn irgendwie die Fragen unterzuschieben, weil das ist einfach im amerikanischen System/ Kann natürlich auch erhebliche Folgen haben, bis hin zum Ausschluss von der Universität.

53
00:10:22,000 --> 00:10:33,000
Also von daher, die Voraussetzungen sind eigentlich keine großen, weil das ist einfach eine Prüfung wie jede andere auch.

54
00:10:33,000 --> 00:10:47,000
"Was sind Gelingensbedingungen für Studierende?" Also sie müssen sich die Vorlesungen anhören, sie müssen auch die Übungen mitmachen, weil die Übungen, also die Übungen sind eine Vorbereitung in dem Sinne auch auf die Klausur.

55
00:10:47,000 --> 00:11:02,000
Also nicht, dass dieselbe Übungsaufgabe auch in der Klausur gestellt wird, aber die Art zu denken, die Art zu rechnen, die Art, eine Frage zu beantworten, ist in der Übung durchexerziert worden.

56
00:11:02,000 --> 00:11:09,000
"Inwieweit spielt dabei die rein digitale Kommunikation (Corona Semester) eine Rolle?" Also, was mich erstaunt hat ist, dass die/ Also digitale Kommunikation ist ja ein großer Begriff für das, was wir gemacht haben.

57
00:11:09,000 --> 00:11:24,000
Also wir haben uns darauf verständigt, dass, wenn Fragen da sind zum Inhalt der Vorlesung, dass sie mir dann eine E-Mail schreiben können. Und was wir noch hatten war,

58
00:11:24,000 --> 00:11:45,000
wir haben studentische Betreuer, die sonst immer mehr oder weniger freundlich auch im Labor da sind, die aber jetzt so eine Art Beta-Tester waren auch für die Übungsaufgaben. Die haben die also erst einmal selber durchgerechnet und geschaut, ob sie die überhaupt verstehen. Und dann haben wir sie auch ein bisschen nachkorrigiert, dass sie also auch für Studenten verständlich waren.

59
00:11:45,000 --> 00:11:56,000
Und wenn dann Fragen waren, haben erst einmal, als erster Layer, die studentischen Betreuer Rede und Antwort gestanden.

60
00:11:56,000 --> 00:12:02,000
Und dann haben auch noch meine Mitarbeiter und ich selber Rede und Antwort gestanden.

61
00:12:02,000 --> 00:12:21,000
Und was mich erstaunt hat, war eigentlich, dass die Fragen eigentlich qualitativ besser waren als die, die nach einer Vorlesung gestellt wurden, weil mit dem Beschäftigen der Sache, mit diesem Anhören und mit diesem, wahrscheinlich mit mehr Muße,

62
00:12:21,000 --> 00:12:31,000
sich die einzelnen Folien anschauen, die Texte vielleicht auch einmal mehrfach hören, da sind einfach andere Fragen aufgekommen

63
00:12:31,000 --> 00:12:33,000
als bei so einer klassischen Vorlesung.

64
00:12:33,000 --> 00:13:03,000
Wobei nichts gegen die klassische Vorlesung, also das ist schon/ Aber vielleicht in Kombination, dass man das noch mal hören kann, dass man das auch mit Muße noch mal sich anhören kann und so sehen kann, ob man auch die Kausalitäten wirklich versteht, oder ob es nur einfach so ein Pseudoverständnis ist, wenn man dem Wortfluss folgen kann.

65
00:13:03,000 --> 00:13:22,000
"Wie sind die Klausurergebnisse im Vergleich zu "konventionellen" Klausuren ausgefallen?" Das ist wirklich erstaunlich. Ich mache jedes Mal nach der Korrektur der Klausur so eine Verteilung der Noten. Und die ist fast deckungsgleich mit dem, was wir letztes Jahr bei den Klausurergebnissen hatten. Also es war eine breite Streuung,

66
00:13:22,000 --> 00:13:39,000
es gab ein paar sehr gute, es gab auch wenige, die nicht so gut waren. Also es war nicht alles jetzt am unteren oder am oberen Ende der Skala.

67
00:13:39,000 --> 00:13:51,000
Also wirklich, die Verteilungskurve war so eine verzerrte Gaußkurve, im Grunde genommen so wie letztes Jahr auch oder wie die Jahre davor auch. Aber vom letzten Jahr habe ich sogar noch die Zahlen gehabt und man kann also fast deckungsgleich die beiden Ergebnisse miteinander vergleichen.

68
00:13:51,000 --> 00:14:18,000
"Haben Sie dieses Ergebnis erwartet?" Schwer zu sagen, ich habe es mir erhofft, also nicht/ Also ich habe einfach gedacht, weil die Fragen waren ja ganz ähnlich wie in den Jahren davor, also das war ja jetzt keine neue Art der Befragung. Und da gibt es immer welche, die sich in die Materie hineinarbeiten, das verstehen, nachfragen,

69
00:14:18,000 --> 00:14:41,000
und es gibt auch andere. Und ich war auch Student, es gibt auch einfach einmal CPs, die man einfach nehmen muss. Also von daher ist das eine gute Verteilung von Interessen, von Engagement und/ Aber, was ich interessant fand war,

70
00:14:41,000 --> 00:14:46,000
es sind alle Frage richtig beantwortet worden,

71
00:14:46,000 --> 00:15:00,000
es sind aber nicht alle Fragen von ein und derselben Person richtig beantwortet worden, was zeigt, dass die Streuung der Fragen hinreichend schwierig, aber auch lösbar war.

72
00:15:00,000 --> 00:15:14,000
Das finde ich, glaube ich, ein gutes Maß dafür, zu sagen, eine Klausur ist zu schwierig oder eine Klausur ist zu leicht. Es könnte ja auch sein, dass sie zu einfach ist und ohne, dass man sich irgendwie mit der Sache beschäftigt,

73
00:15:14,000 --> 00:15:24,000
durch einfache Antworten alles zu beantworten ist. "Erfordern 'Open Book Klausuren' besondere Anforderungen an die Prüfungsleistung?"

74
00:15:24,000 --> 00:15:40,000
Wenn es um formale Dinge geht, bin ich immer jemand, der sehr schnell danebenliegt. Ich fand auch überhaupt nichts dabei, so eine Klausur zu machen, weil ich gedacht habe, das ist eine faire Sache, jeder hat die Möglichkeit, Fragen zu beantworten,

75
00:15:40,000 --> 00:16:03,000
jeder hat entweder die gleiche Vorlesung gehört/ Was mich dann aber sehr unterstützt hat war eine Anfrage. Ich bin auch Dekan und bei einer Sitzung mit unserer Präsidentin Frau Brühl habe ich das vorgetragen, da ging es auch um Corona und so, wie man die Lehre gestaltet. Da habe ich gesagt, ich habe vor, jetzt so eine Open-Book-Klausur zu schreiben,

76
00:16:03,000 --> 00:16:18,000
damals kannte ich den Begriff noch gar nicht. Und habe ich gesagt, meine Kollegen haben mich davor gewarnt, das wäre ja irgendwie rechtlich wahrscheinlich nicht abgesichert. Und die Antwort von Frau Brühl war: „Wir unterrichten hier erwachsene Leute

77
00:16:18,000 --> 00:16:28,000
und wir gehen davon aus, dass die jetzt nicht nur betrügen wollen, sondern dass die selbstverantwortlich mit den Dingen umgehen. Machen Sie das ruhig!“

78
00:16:28,000 --> 00:17:02,000
Also von daher, rechtliche Absicherung habe ich jetzt keine getroffen, es ist ein Bauchgefühl, dass das auch okay ist, weil ich denke nicht, dass es eine Prüfungsform gibt, die wasserdicht ist und die man jetzt durch/ Und letztendlich habe ich jetzt erfahren, dass man diese Open-Book-Klausuren wirklich machen darf, es darf halt keine Multiple-Choice-Klausur sein.

79
00:17:02,000 --> 00:17:16,000
Also es darf nicht einfach nur eine Wissensabfrageklausur sein, sondern es muss vor allem aus Transferfragen bestehen, dann ist das auch rechtlich alles in Ordnung.

80
00:17:16,000 --> 00:17:39,000
"Was sind ihre Lessons Learned?" Die Lessons Learned ist, dass es oft hilft, etwas wirklich unter Zeitdruck entscheiden und machen zu müssen, weil, wenn man jetzt sieht, wie viel geredet wird über mögliche Formen und wie man alles besser macht

81
00:17:39,000 --> 00:17:48,000
und richtig macht und alles, dann ist das oft ein bisschen Wasser in Wein gießen. Ich denke, wenn man einfach entscheiden muss und sagen muss, ich habe jetzt XY viel Zeit, das umzusetzen,

82
00:17:48,000 --> 00:18:02,000
dann steht man einfach unter einem Druck und man muss es einfach machen und man muss Entscheidungen einfach fällen. Ob das jetzt alles durch alle Paragraphen abgesichert ist oder nicht,

83
00:18:02,000 --> 00:18:06,000
da ist dann im Moment nicht so wichtig.

84
00:18:06,000 --> 00:18:28,000
Also das Helmut-Schmidt-Hamburg-Hochwasser-Verhalten ist wahrscheinlich auch in der Lehre, auch in der digitalen Umsetzung der Lehre, ein ganz guter Wegweiser.

85
00:18:28,000 --> 00:18:37,000
"Möchten Sie abschließend noch etwas sagen?" Ich höre jetzt in vielen Gesprächen, dass wir mit der digitalen Lehre so, wie wir sie jetzt machen, dass das die Zukunft ist. Und da möchte ich einfach davor warnen. Ich möchte auch noch in die Gesichter von Studenten hineinschauen und sehen, ob das,

86
00:18:37,000 --> 00:18:56,000
was ich sage, verstanden wird, weil dann bekommt man, wenn man das viele Jahre gemacht hat, einen Blick dafür, oder ob man einfach nur über Köpfe hinwegredet. Also, dass wir etwas gelernt haben für die Zukunft ist gut, aber jetzt so zu tun,

87
00:18:56,000 --> 00:19:05,450
als wäre das die Cyber-Zukunft, also das finde ich sehr, sehr kritisch.

