WEBVTT

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00:00:02,000 --> 00:00:16,000
Mein Name ist Gerhard Thiel. Ich bin Professor im Fachbereich Biologie. Das ist einmal eine Großveranstaltung mit Erstsemesterstudenten. Da sind über hundertsiebzig Studenten drin.

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00:00:16,000 --> 00:00:28,000
Die hören zweimal die Woche eine Vorlesung, haben danach in zwei Gruppen Übung und sind dann im Labor und mikroskopieren, also sind wirklich händisch beschäftigt.

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00:00:28,000 --> 00:00:41,000
Die zweite Lehrform, das ist sowohl für das Wahlmodul im Bachelorstudium als auch das Masterstudium.

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00:00:41,000 --> 00:00:47,000
Das sind wirklich Kombinationen aus Vorlesungen, eine Woche Intensivvorlesung mit Übungen nachmittags zu den Dingen,

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00:00:47,000 --> 00:00:54,000
die wir in der Vorlesung besprochen haben. Und dann kommen richtige Laborpraktika. Also nicht nur in einem Teaching Labor,

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00:00:54,000 --> 00:01:03,000
sondern im Labor von einer Arbeitsgruppe an den Geräten, die wir auch für die Forschung benutzen.

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00:01:03,000 --> 00:01:14,000
Also als die Krise anfing und die ersten Maßnahmen in Deutschland gegriffen haben, hatten wir genau anderthalb Wochen Zeit,

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00:01:14,000 --> 00:01:26,000
um ein Modul, Modul heißt für Bachelorstudenten diese Kombination aus Vorlesung und Laborpraktikum, online zu gestalten.

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00:01:26,000 --> 00:01:35,000
Das war dann relativ kurzfristig und haben wir gut gemeistert.

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00:01:35,000 --> 00:01:58,000
Also wir haben im Grunde genommen die Lehre digital und machen aber kleinere Einschübe, wo eine kleine Anzahl an Studenten auch wirklich mal ins Labor kommen und das sehen. Das was sie also vorher in vier Wochen jeden Tag im Labor gemacht hätten, das ist also jetzt stark reduziert-

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00:01:58,000 --> 00:02:09,000
Also das Feedback mit den Bachelorstudenten war sehr positiv. Und zwar waren die einfach froh, dass sie überhaupt was machen konnten.

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00:02:09,000 --> 00:02:16,000
Das war ja zu dem Zeitpunkt überhaupt gar nicht klar, ob sie überhaupt studieren können oder ob sie irgendwas machen können. Das war ja vor Ostern.

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00:02:16,000 --> 00:02:36,000
Also wir haben ja unseren Moodle Slots, die sind nicht im Semester, sondern sind eigentlich in den Semesterferien, weil das etwas damit zu tun hat, dass wir sonst mit den Laborplätzen einfach ein bisschen kollidieren mit anderen Kollegen.

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00:02:36,000 --> 00:02:55,000
Was mich bewogen hat, das so zu machen, ist, dass das eigentlich auch meine Form des Fragens an Studenten ist. Es geht mir nicht ums Abfragen. Also jemand, der nur weiß, aber nicht versteht, was er gemacht hat, was er gelernt hat und nicht in der Lage ist, nur von A nach B zu gehen aber nicht über C,

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00:02:55,000 --> 00:03:12,000
das ist auch nicht das, was wir von Studenten wissen wollen. Also von daher ich sage mal von der Mentalität der Klausuren hat sich das nicht wesentlich unterschieden zu denen, die wir auch vorher einfach im Hörsaal gemacht haben.

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00:03:12,000 --> 00:03:20,000
Die Studenten bekommen eine bestimmte Anzahl an Fragen und diese Fragen sind alle Transferfragen, also irgendwie mal schnell bei Wikipedia nachschauen

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00:03:20,000 --> 00:03:24,000
das kann helfen, einen auf die Sprünge zu bringen,

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00:03:24,000 --> 00:03:35,000
aber es wird nicht die Frage beantworten. Und man muss schon verstehen, was die Frage will und wie man sie beantwortet.

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00:03:35,000 --> 00:03:41,000
Ich glaube, dass diejenigen, die die Klausur stellen, sie auch korrigieren müssen.

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00:03:41,000 --> 00:03:50,000
Also man darf da jetzt nicht die Klausur schreiben lassen und ein Student hinterher oder ein Hiwi korrigiert die und schaut einfach nur,

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00:03:50,000 --> 00:03:55,000
ob die richtige Antwort da ist, also ob das richtige Endergebnis da ist.

22
00:03:55,000 --> 00:04:06,000
Ich glaube, dass die Klausur so sein muss, dass sie das widerspiegelt, was in der Vorlesung und in der Übung präsentiert worden ist.

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00:04:06,000 --> 00:04:13,000
Also es geht jetzt nicht darum, die Ausnahme der Ausnahme der Ausnahme zu hören, sondern dass man die Botschaften,

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00:04:13,000 --> 00:04:29,000
die man in den Vorlesungen verbreiten wollte, direkt oder indirekt auch in der Prüfung abfragt.

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00:04:29,000 --> 00:04:55,000
Bei einer Sitzung mit unserer Präsidentin Frau Brühl habe ich das vorgetragen. Da ging es auch um Corona und wie man die Lehre gestaltet. Da habe ich gesagt, ich habe vor, jetzt so eine Open Book Klausur zu schreiben. Damals kannte ich den Begriff noch gar nicht. Und habe ich gesagt, meine Kollegen haben mich davor gewarnt, dass wäre rechtlich wahrscheinlich nicht abgesichert

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00:04:55,000 --> 00:05:12,000
und die Antwort von Frau Brühl war: "Wir unterrichten hier erwachsene Leute und wir gehen davon aus, dass die jetzt nicht nur betrügen wollen, sondern dass die selbstverantwortlich mit den Dingen umgehen. Machen Sie das ruhig."

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00:05:12,000 --> 00:05:33,000
Die Lesson to Learn ist, dass es oft hilft, etwas wirklich unter Zeitdruck entscheiden und machen zu müssen. Weil wenn man jetzt sieht, wie viel geredet wird über mögliche Formen und wie man alles besser macht und richtig macht und alles, dann ist das oft ein bisschen Wasser in Wein gießen.

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00:05:33,000 --> 00:05:44,000
Ich denke, wenn man einfach entscheiden muss und sagen muss, ich habe jetzt XY viel Zeit das umzusetzen, dann steht man einfach unter einem Druck und man muss es einfach machen.

29
00:05:44,000 --> 00:05:47,000
Dann steht man einfach unter einem Druck, und man muss es einfach machen.

30
00:05:47,000 --> 00:05:58,000
Man muss Entscheidungen einfach fällen. Ob das jetzt alles durch alle Paragraphen abgesichert ist oder nicht,

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00:05:58,000 --> 00:06:02,000
das ist dann im Moment nicht so wichtig. Also das Helmut Schmidt-Hamburg-Hochwasserverhalten ist wahrscheinlich auch in der Lehre oder in der digitalen Umsetzung der Lehre ein ganz guter Wegweiser.

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00:06:02,000 --> 00:06:20,693
Helmut Schmidt, Hamburg Hochwasser verhalten ist wahrscheinlich auch in der digitalen Umsetzung der Lehre Wegweisern.

